Nach Gabi Obi an Montag, 06. April 2026
Kategorie: Interkulturelles

PhD Dr. Blessing Alabi - Forstpathologin

PhD​ Dr. Blessing Alabi, geborene Blessing Durodola, verheiratet, hat in Nigeria Forstwissenschaften studiert und danach im Bereich Forstpathologie promoviert. Sie arbeitet derzeit als akademische wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Albert-Ludwig-Universität Freiburg im Rahmen des Margaret von Wrangell-Juniorprofessorinnenprogramms, das vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg gefördert, von der Europäischen Union kofinanziert und von der Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen der Universität Freiburg unterstützt wird.
Sie erforscht Baumkrankheiten und Resistenzmechanismen, zum Beispiel gegen Erreger wie Pilze, und auch den Klimawandel. Sie untersucht welche Pilze die Baumkrankheiten verursachen und auch die Mikroorganismen, die ihnen bei der Abwehr helfen können. Sie lehrt auch, also ist Dozentin und betreut Studienarbeiten - Bachelor, Master und Doktorarbeiten. Wir freuen uns, dass sie Zeit für ein Interview mit dem Kulturforum Freiburg gefunden hat.

Wie bist du auf deinen Studiengang gekommen?

Normalerweise können sich Studenten in Nigeria bewerben, um etwas zu studieren und erhalten dann einen völlig anderen Studiengang. Ich habe mich an der Universität beworben, um Mikrobiologie zu studieren, und dann wurde mir „Forst- und Holztechnik" vorgeschlagen. Es war das erste Mal, dass ich von diesem Kurs hörte, aber ich beschloss, es auszuprobieren, obwohl die Mehrheit der Studenten immer über diesen Kurs lacht und davon ausgeht, dass wir nie wirklich etwas Gutes damit machen würden.

Wo hast du studiert und wie hat dir das Studium gefallen?

⁠Ich habe mein Bachelorstudium in Nigeria absolviert. Während des Studiums hatten wir ein Modul, bei dem die Studierenden durch das ganze Land reisten, um die Unterschiede in der Waldstruktur kennenzulernen, da Nigeria verschiedene geografische Zonen besitzt. Wir besuchten mehrere Städte in vier der geopolitischen Regionen (Norden, Osten, Süden und Westen).

Auf diesen Exkursionen nahm uns einer der begleitenden Professoren – Prof. Akindele – in einen der Wälder mit und erklärte vieles. In seinem Vortrag erwähnte er, dass es zu dieser Zeit in Nigeria keine oder höchstens zwei Forstgenetiker gab. Diese Aussage hat mich neugierig gemacht und meine Begeisterung für das Fach geweckt. Ich beschloss, diesen Weg einzuschlagen – um die Prozesse und die Genetik hinter den Bäumen zu verstehen.

Deshalb habe ich in meinem letzten Studienjahr meine Bachelorarbeit in der Forstgenetik geschrieben, obwohl wir den Einführungskurs in dieses Gebiet erst im Abschlussjahr hatten und wir damals nicht einmal Labore für praktische Übungen zur Verfügung hatten.

Was hast du nach dem Studium gemacht?

Nach meinem Bachelorstudium nahm ich am einjährigen Pflichtprogramm National Youth Service Corps (NYSC) teil, das darauf ausgerichtet ist, den nationalen Zusammenhalt zu stärken und Hochschulabsolventen praktische Berufserfahrungen zu ermöglichen. Ich wurde in den Norden Nigerias versetzt – eine Region, die für mich neu war und was genau dem Grundgedanken des NYSC entspricht: das Leben in einem anderen Teil des Landes kennenzulernen.

Das Dienstjahr beginnt mit mehreren Wochen militärischer Orientierungsausbildung. Diese Phase umfasst Frühsport, körperliche Übungen, grundlegende Sicherheitsschulungen sowie Unterricht in Disziplin und Teamarbeit. Gleichzeitig leben dort junge Menschen aus allen Teilen Nigerias zusammen, was ein starkes Gemeinschaftsgefühl erzeugt. Obwohl die Zeit körperlich anspruchsvoll war, war sie sehr prägend und lehrte mich Durchhaltevermögen und Anpassungsfähigkeit.

Nach dem Orientierungscamp wurde ich dem College of Agriculture zugeteilt, wo ich ein Jahr lang einen Kurs in Forstwissenschaften unterrichtete. Es war eine bereichernde Erfahrung, Studierende zu lehren und mein Wissen weiterzugeben. Diese Aufgabe bestärkte mich in meinem Interesse an der Forstwissenschaft und bestätigte meinen Wunsch, mich weiter in diesem Fachgebiet zu entwickeln.

Warum hast du dich für Deutschland als Studienort für deinen Master entschieden?

Schon früh wusste ich, dass ich eine Promotion anstreben möchte. Daher war nach meinem Bachelor der nächste logische Schritt, ein Masterstudium zu beginnen. Mir war jedoch bewusst, dass dieser Weg in Nigeria schwierig gewesen wäre, da mein Interessengebiet viele Ressourcen und Einrichtungen erfordert, die damals nicht verfügbar waren.

Bei der Suche nach geeigneten Möglichkeiten im Ausland fiel meine Wahl auf Deutschland, wo ich mein Fachgebiet weiter vertiefen konnte. Ich bewarb mich um ein DAAD-Stipendium und bin sehr dankbar dafür, dass ich es erhalten habe. 2017 zog ich nach Deutschland, um an der Universität Göttingen Tropical and International Forestry zu studieren.

Wo hast du deutsch gelernt?

Ich lerne weiterhin aktiv Deutsch. Durch mein DAAD-Stipendium begann ich bereits in meinem Heimatland Nigeria, Deutsch zu lernen, da der Sprachkurs Teil des Stipendienprogramms war. Anschließend reiste ich nach Deutschland und setzte den Deutschunterricht etwa zwei weitere Monate fort, bevor das Studium begann. Nach dem Ende der vom DAAD geförderten Sprachkurse lernte ich an der Universität weiter Deutsch, indem ich freiwillige Deutschkurse im Rahmen meiner Wahlmodule und der Kompetenzvermittlung belegte. Später meldete ich mich zusätzlich an der Volkshochschule an, um meine Deutschkenntnisse weiter zu verbessern.

Wer hat dich bei deinem Studium unterstützt?

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) finanzierte mein Masterstudium. Meine Promotion wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Projekts TreeGreenClimate gefördert.

Wie unterstützt dich dein Mann bei der Karriere?

⁠Manchmal wird der Weg schwierig – es gibt Phasen, in denen Experimente nicht funktionieren, Protokolle schwer umzusetzen sind oder die Arbeit insgesamt herausfordernd ist. In diesen Momenten ist mein Mann immer an meiner Seite, um mich zu ermutigen und zu unterstützen. Es gibt das Sprichwort: Wenn es schwierig wird, wachsen die Starken über sich hinaus. Oft muss ich nicht einmal selbst stark sein, weil er mich antreibt und daran erinnert, weiterzumachen. Manchmal gibt er mir auch Ideen oder hilft mir, über Herausforderungen nachzudenken.
Seine Unterstützung hilft mir, fokussiert und ausgeglichen zu bleiben, besonders in anspruchsvollen Phasen der Forschung und bei häufigen Reisen zu Konferenzen und anderen arbeitsbezogenen Terminen. Er respektiert meine Eigenständigkeit und versteht die Anforderungen der akademischen Forschung, einschließlich langer Arbeitszeiten und der nötigen Geduld. Wir teilen die Überzeugung, dass es wichtig ist, die Ziele des anderen zu unterstützen – insbesondere im akademischen und beruflichen Leben.

Was machst du jetzt beruflich? Und was ist das Besondere daran?

Ich arbeite als Forscherin und Dozentin und betreue außerdem Abschlussarbeiten von Studierenden. In meiner Forschung beschäftige ich mich damit, wie Bäume sich gegen Krankheiten verteidigen, insbesondere gegen Pilzinfektionen, und welche Rolle Mikroorganismen spielen, die im Inneren der Bäume leben und sie schützen können. Dieses Thema wird immer wichtiger, da Bäume im Zuge des Klimawandels zunehmend unter Stress stehen und anfälliger für Krankheiten werden.

Was gefällt dir an deinem Beruf am Besten

Was mir an meinem Beruf besonders gefällt, ist die Abwechslung. Ich arbeite sowohl draußen im Wald oder im Gewächshaus, als auch im Labor und am Computer, wo ich komplexe bioinformatische Daten analysiere. Diese Mischung macht meine Arbeit spannend und abwechslungsreich. Neben meiner Forschung bin ich für ein Mastermodul zu diagnostischen Methoden von Baumkrankheiten verantwortlich. Die Lehre ist ein wichtiger Teil meiner Arbeit, und es erfüllt mich sehr, wenn sich Studierende im Unterricht wohlfühlen, den Stoff verstehen und positives Feedback zu den Lehrveranstaltungen geben.

Außerdem reise ich regelmäßig zu Konferenzen. Das genieße ich sehr, weil ich dadurch die Möglichkeit habe, in verschiedene Länder und auf unterschiedliche Kontinente zu reisen, meine Forschung vorzustellen und mich mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auszutauschen.

Was waren bisher deine größten Herausforderungen?

Eine der größten Herausforderungen für mich ist die berufliche Unsicherheit, die mit einer akademischen Laufbahn in Deutschland verbunden ist. In der Wissenschaft arbeitet man häufig mit befristeten Verträgen, und es ist nicht immer einfach, sich voll auf seine Leidenschaft zu konzentrieren, ohne gleichzeitig an das Ende des aktuellen Vertrags, mögliche Anschlussstellen und die damit verbundenen Einschränkungen zu denken.

Eine weitere Herausforderung liegt in der Forschung selbst. Experimente können scheitern, und es gibt oft lange Phasen ohne klare oder sichtbare Ergebnisse. Das erfordert viel Geduld und Durchhaltevermögen. Durch diese Erfahrungen habe ich gelernt, resilient zu sein und auch in schwierigen Phasen dranzubleiben.

Darüber hinaus empfinde ich es manchmal als herausfordernd, fern von meiner Heimat zu leben und mir ein neues soziales Umfeld aufzubauen. Ein unterstützendes Netzwerk entsteht nicht immer sofort, und auch das gehört zu den persönlichen Herausforderungen meines Weges.

Was sind deine Stärken?

Eine meiner größten Stärken ist meine Resilienz. Ich habe gelernt, auch in schwierigen Phasen geduldig und beharrlich zu bleiben. Zudem bin ich anpassungsfähig, was besonders wichtig war, um mir eine akademische Laufbahn in einem neuen Land aufzubauen und in unterschiedlichen Forschungsumgebungen zu arbeiten.

Ich bin von Natur aus neugierig und habe Freude daran, komplexe Probleme zu lösen – sei es im Feld, im Labor oder durch Datenanalyse. Außerdem lege ich großen Wert auf Zusammenarbeit und Kommunikation, insbesondere in Forschung, Lehre und der Betreuung von Studierenden. Ich versuche, eine offene und unterstützende Lernatmosphäre zu schaffen, und sehe die Begleitung von Studierenden als einen wichtigen und bereichernden Teil meiner Arbeit.

Wie siehst du deine berufliche Zukunft?

In Zukunft möchte ich weiterhin in einem forschungsorientierten Umfeld arbeiten, in dem ich meine Expertise in der Forstpathologie und Baumgesundheit einbringen kann. Ein wichtiges Ziel für mich ist es, meine eigenen Forschungsideen weiterzuentwickeln und perspektivisch eine eigene Forschungsgruppe aufzubauen, in der ich unabhängige Forschungsfragen bearbeiten und zu einem besseren Verständnis von Baumgesundheit und Waldresilienz beitragen kann.

Gleichzeitig bin ich offen für unterschiedliche berufliche Wege, sowohl in der Wissenschaft als auch in forschungsnahen Bereichen. Entscheidend ist für mich, an relevanten Fragestellungen zur Waldgesundheit zu arbeiten, meine fachlichen Fähigkeiten sinnvoll einzusetzen und mich fachlich sowie persönlich weiterzuentwickeln.

Wie gefällt es dir in Deutschland, vor allem in Freiburg?

Ich möchte weiterhin gemeinsam mit meinem Mann ein erfülltes Privatleben aufbauen. In naher Zukunft hoffe ich, eine Familie zu gründen und dabei eine gute Balance zwischen meiner beruflichen Laufbahn und meinem Privatleben zu finden. Außerdem wünsche ich mir, mich hier in Deutschland zunehmend heimisch zu fühlen und gut integriert zu sein, während ich gleichzeitig enge Verbindungen zu Familie und Freunden aufrechterhalte.

Für mich ist Deutschland inzwischen zu einer zweiten Heimat geworden. In den vergangenen Jahren bin ich viel gereist und habe zahlreiche Länder in Europa, Asien und Nordamerika besucht, insbesondere auch viele der benachbarten EU-Staaten. So sehr ich das Reisen und das Kennenlernen anderer Orte genieße, freue ich mich jedes Mal darauf, nach Deutschland zurückzukehren. In dem Moment, in dem ich aus dem Flugzeug oder Zug steige, verspüre ich ein starkes Gefühl von Vertrautheit – ein Gefühl des Ankommens. Das bedeutet keineswegs, dass andere Länder weniger angenehm sind, aber Deutschland vermittelt mir eine Ruhe und Stabilität, die ich sehr schätze.

Besonders gerne lebe ich in Freiburg. Abgesehen davon, dass es hier wärmer ist als in vielen anderen Städten Deutschlands, machen die vielfältige Landschaft und die grüne Umgebung Baden-Württembergs die Region zu einem idealen Ort für meine Forschung. Freiburg ist zudem eine offene und internationale Stadt, was mir das Ankommen sehr erleichtert hat. Gleichzeitig schätze ich das starke akademische Umfeld und die unterstützende Arbeitskultur an der Universität, die maßgeblich zu meinen positiven Erfahrungen hier beigetragen haben.

Welchen Tipp würdest du anderen Menschen geben?

Mein erster Rat wäre: einfach machen. Viele Menschen zögern lange und warten auf den perfekten Moment oder fühlen sich noch nicht bereit. Viele Chancen entstehen aber erst, wenn man den ersten Schritt wagt. Oft wächst man in Aufgaben hinein, indem man es einfach versucht, unterwegs lernt und offen für Herausforderungen bleibt.

Ich halte es außerdem für sehr wichtig, um Rat und Unterstützung zu bitten – und nicht nur bei Menschen, die in einer Hierarchie weiter oben stehen. Manchmal haben Menschen auf derselben Ebene oder sogar auf einer niedrigeren Ebene genau die Erfahrung, die Fähigkeiten oder die Perspektive, die man in einem bestimmten Moment braucht. Es ist keine Schwäche, sie um Hilfe zu bitten. Im Gegenteil: Ich sehe die Bereitschaft, Rat einzuholen, als ein Zeichen von Stärke, nicht von Schwäche.

Abschließend möchte ich Menschen ermutigen, ihrem eigenen Weg zu vertrauen. Jede berufliche und persönliche Entwicklung ist unterschiedlich, und Vergleiche können entmutigend sein. Neugierig zu bleiben, offen zu denken und bereit zu sein, von anderen zu lernen, kann einen großen Unterschied machen – sowohl beruflich als auch privat.

Wir bedanken uns für das tolle Interview und wünschen dir beruflich und privat alles Gute und weiterhin viel Erfolg! Du bist ein richtiges Role Model und Vorbild nicht nur für junge Frauen.

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