Für die meisten von uns ist das Smartphone selbstverständlich. Wir schreiben Nachrichten, vereinbaren Termine, hören Musik, navigieren durch die Stadt oder rufen schnell Informationen ab. Erst wenn all das plötzlich nicht mehr möglich ist, wird deutlich, wie sehr digitale Kommunikation unseren Alltag bestimmt. Für Menschen ohne festen Wohnsitz ist genau das oft Realität. Dabei ist ein Smartphone heute weit mehr als ein technisches Gerät – es ist der Schlüssel zu gesellschaftlicher Teilhabe. Genau hier setzt das Projekt Straßenfunk an.
Wenn digitale Teilhabe über Zugehörigkeit entscheidet
Ein Smartphone ermöglicht weit mehr als Telefonate oder Internet. Es verbindet wohnungslose Menschen mit Familie, Freund*innen und Unterstützer*innen. Es hilft dabei, Dokumente sicher zu speichern, Termine bei Behörden wahrzunehmen, eine Unterkunft oder Arbeit zu finden und im Notfall Hilfe zu rufen.
Denn: Wo es keine feste Adresse gibt, wird die Telefonnummer zum wichtigsten Kontaktpunkt. Sie schafft Erreichbarkeit, gibt Orientierung und ermöglicht ein Stück Selbstbestimmung. Gleichzeitig bietet das Smartphone Zugang zu Nachrichten, Bildung, Unterhaltung. Und damit auch das Gefühl, Teil der Gesellschaft zu sein.
Das Projekt Straßenfunk: Digitale Teilhabe möglich machen
Es ist klar: digitale Kommunikation ist heutzutage kein Luxus mehr, sondern eine Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. Daher haben sich 2023 die gemeinnützige Organisation GoBanyo, die in Hamburg mit einem Duschbus unterwegs ist, und der gemeinwohlorientierte Mobilfunkanbieter WEtell aus Freiburg für das Pilotprojekt "Straßenfunk" zusammengeschlossen. Als dritter im Bunde wurde der Smartphone-Hersteller SHIFT aus Falkenberg dazu geholt. Das Konzept: WEtell stellt kostenlos Mobilfunktarife bereit, SHIFT die Smartphones und GoBanyo verteilt diese Funkpakete an Menschen ohne festen Wohnsitz.
Konkret wurden 2024 fünf Funkpakete von GoBanyo ausgegeben. Die Ergebnisse nach einer Umfrage waren deutlich:
- Alle Empfänger*innen haben ihre Funkpakete noch und behandeln sie mit großer Sorgfalt.
- Die Nutzung erfolgte problemlos, ohne technische Schwierigkeiten.
Und die Auswirkungen auf den Alltag der Empfänger*innen sind enorm:
- Eine Person konnte nach fast einem Jahr wieder Kontakt zu ihrer Familie im Ausland aufnehmen.
- Vier Personen nutzen die Funkpakete für Gelegenheitsjobs und zur Vernetzung.
- Eine Person hat erstmals seit langer Zeit eine Notunterkunft angenommen und sucht aktiv nach einem festen Job.
Zugang zu Mobilfunk löst sicherlich nicht alle Probleme. Aber er kann Türen öffnen: Zurück zur Familie, zu einem Job, einer Unterkunft und letztendlich einem selbstbestimmten Leben.
GoBanyo | Der Duschbus für Menschen auf der Straße
SHIFT - Verantwortung, Gemeinschaft und nachhaltiges Handeln
Zweite Testphase unter anderem in Freiburg
Neben dem anfänglichen Projektpartner GoBanyo, befindet sich WEtell aktuell gemeinsam mit dem Ferdinand-Weiß-Haus der Diakonie Freiburg, der Diakonie Michaelshoven und dem Rambler Studio von Neue Chance gGmbH in Berlin in der erweiterten Testphase.
Im Laufe des Jahres werden insgesamt 35 Straßenfunk-Pakete ausgegeben und im Alltag getestet. In der einjährigen Testphase möchten die Projektpartner praktische Erfahrungen sammeln, mögliche Herausforderungen sowie passende Lösungsansätze identifizieren und die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren. Ziel ist es, damit den Weg für weitere finanzielle Fördermöglichkeiten und die langfristige Ausweitung des Projekts zu ebnen.