Am 22. September 2026 jährt sich der Todestag Johann Peter Hebels zum 200. Mal. Johann Peter Hebel (1760–1826) war weit mehr als nur ein alemannischer Mundartdichter; er gilt als wegweisender Literat, Theologe, Pädagoge, Moralist und Aufklärer, dessen Wirken manchmal visionäre Züge trug. Durch seine Kalendergeschichten und Gedichte schuf er eine volksnahe Literatur, die bis heute nachwirkt. Er war auch Wegbereiter der modernen Kurzgeschichte. Als Schulvisitator und Direktor des Karlsruher Gymnasiums setzte sich Hebel für Bildung und die Weiterentwicklung des Schulwesens ein. Er wollte Wissen für das einfache Volk zugänglich und verständlich machen. Franz Kafka, Elias Canetti, Walter Benjamin und Ernst Bloch lobten seine Werke.
Aufgrund seines Gedichtbands "Alemannische Gedichte" gilt er gemeinhin als Pionier der alemannischen Mundartliteratur. Heute ist er auch ein wenig ein "Säulenheiliger" des alemannischen Dialekts. Gerade die "Säulenheiligen" müssen ab und zu vom Denkmal geholt und ein wenig entstaubt werden, auch um die Aktualität von Dialekt zu zeigen und um Diskussionen anzustoßen.
"Die Vergänglichkeit"
Menschen, Tiere, Häuser, Dörfer und selbst ganze Städte sind in seinem Verständnis nicht dauerhaft. Das Gedicht entfaltet dieseEinsicht in einer Steigerung: von der persönlichenVergänglichkeit über das Dorf bis hin zur ganzen Welt. Der Dialog zwischen Vater und Sohn macht diese Erfahrung anschaulich und lebensnah. Er führt nicht zu einer politischen odermoralischen Handlungsanweisung, sondern zu einer existenziellen Einsicht.
Axel Mayer: 70 Jahre und der ganze Rest - Ein persönlicher Rückblick (Spiegel TV) | Mitwelt
Der Belche stoht verchohlt,
Quelle: J. P. Hebels sämmtliche Werke, Band 1, Ausgabe letzter Hand) [1] - Alemannische Wikipedia
der Blauen au, äs wie zwee alti Thürn,
und zwische drinn isch alles use brennt,
bis tief in Boden abe. D'Wiese het
ke Wasser meh, 's isch alles öd und schwarz,
und todtestill, so wit me luegt – das siehsch,
und seisch di'm Cammerad, wo mitder goht:
„Lueg, dört isch d'Erde gsi, und selle Berg
„het Belche gheiße!
Schriftdeutsch:
Der Belchen steht verkohlt,
der Blauen auch, ganz wie zwei alte Türme,
und zwischendrin ist alles ausgebrannt,
bis tief in den Boden hinein.
Die Wiese hat kein Wasser mehr,
es ist alles öde und schwarz
und totenstill, so weit man schaut
und du sagst deinem Kameraden, der mit dir geht:
"Schau, dort ist die Erde gewesen, und dieser Berg hat Belchen geheißen! "
Johann Peter Hebel: "Die Vergänglichkeit" Eine Schwarzwald-Apokalypse | Mitwelt